entweder ich änder mich oder ich änder die welt oder die welt ändert sich selbst

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ja, das is ne geschichte, die ich für die schule geschrieben habe und die einen teil meiner persönlichkeit recht gut trifft.

gwendoline ist dieser teil meiner persönlichkeit wo es immer regnet, wo die schatten immer lang sind und unterm bett immer ein ungeheuer wartet.gwendoline sieht und fühlt nur das böse und schlechte und ich gestatte ihr, die dinge zu denken und fühlen, die ich als ich selber nicht könnte und wollte.aber ich bin froh, dass sie mich immer wieder erinnert, dass das böse existiert und nicht immer die guten gewinnen.wir werden sehen...

Gwendoline

In einer dunklen Nacht, als alle schliefen, wurde in einem kleinen Dorf am See ein Mädchen geboren. Man schrieb den 17. August 1666. Schon früh war klar, dass dieses Mädchen, das auf den Namen Gwendoline getauft wurde, etwas ganz Besonderes war.

Doch es waren dunkle Zeiten. Die Menschen fürchteten sich vor Krankheit und Tod, vor Magie und Zauberei, vor Missgunst und Verrat. Die Eltern der Kleinen wurden so auch von der Cholera dahingerafft.Deshalb nahm ein altes Kräuterweib sich ihrer an. Die Alte lehrte Gwendoline die Pflanzen und Tiere zu respektieren und ihre Kräfte zu nutzen, die Magie des Wassers zu sehen und zu verstehen. Gwendoline erlernte die Wissenschaft des Heilens, grosse Teile der weissen Magie und die Kunst, mit den Tieren zu sprechen. Sie schien das Wissen regelrecht in sich aufzusaugen. Die grösste Liebe aber waren Geschichten. Gwendoline erfand und erzählte immer neue Geschichten. Ihre Macht wuchs von Tag zu Tag und bald schon war sie eine der meistwissenden, aber auch meistgefürchteten Personen im Dorf. Die Menschen trauten ihren Heilkräften nicht und wenn immer eine Seuche ausbrach oder eine Missernte eingeholt wurde, so gab man ihr und ihrer Lehrmeisterin die Schuld. Für jedes totgeborene Kind, jede verendete Kuh hätten sie die Schuld tragen sollen. Doch trauten sich die Dorfbewohner nicht, ihr Misstrauen laut auszusprechen. Viel mehr redeten sie abends hinter vorgehaltener Hand über die beiden Frauen oder tuschelten, wenn man sie auf dem Markt sah.
Die beiden Frauen scherte das wenig. Die Frauen des Dorfes kamen noch immer, um sich Ratschläge für Haus, Hof und Familie zu holen und die Männer klopften bei der kleinsten Verletzung an ihre Tür.

Gwendoline beherrschte nicht nur die Kräuterkunde, sie besass auch die Gabe, die Menschen um sie herum in ihren Bann zu schlagen, sie zu fesseln und sie zu verzaubern. Ihr Blick riss Mauern nieder, ihr Lächeln liess die Herzen schmelzen und ihre federleichten Berührungen brachten den Berührten um den Verstand. Und wenn sie eine Geschichte erzählte, verstummten die Gespräche im ganzen Raum. Ihre wohlklingende Stimme, die so samtig weich wie Honig war und die Seelen der Zuhörer wärmte. Die Worte schienen Flügel zu haben und nahmen jeden Einzelnen mit auf die Reise durch die Phantasie.

Doch Gwendoline war jung und wild. Sie kümmerte sich nicht um die Gefühle der anderen Menschen, schlimmer noch, sie spielte mit ihnen.
Wenn ein Mann in ihre Augen schaute, liess sie ihn darin versinken. Wenn er sich dann schüchtern lächelnd näherte, umspielte ihre Lippen ein spöttisches Lächeln und wenn sie ihn dann sanft in ihre Arme schloss, so war er auf ewig verloren.
Manch einer verlor sein Herz an sie. Doch weit schlimmer kam es, wenn sich zwei Jünglinge gleichzeitig in sie verliebten und es zum Kampf kam. Gwendoline genoss diese Szenen ungemein. Schliesslich ging es um sie und in ihrer kindlichen Arroganz erkannte sie das Unheil, welches sie anrichtete, nicht. Sie nahm sich, was sie wollte, wann sie es wollte und wo sie wollte. Die Gefühle oder Gedanken der anderen interessierten sie nicht. Doch wenn sie einen Mann verliess, so blieb immer ein Band von blutrotem Samt zurück, als ob sie die Verlassenen entschädigen wollte.

In ihrem Eifer, den anderen zu gefallen, verlor sie sich selbst immer mehr. Sie vergass das Gelernte und ihre Freunde verliessen sie. Sie vernachlässigte ihre Arbeit und schliesslich wurde es auch dem alten Kräuterweibe zu bunt. Erst versuchte sie Gwendoline durch Gespräche und Bitten von ihrem Tun abzubringen, später drohte sie ihr. Doch nichts half. So entschloss sich die Alte zu einem schweren Schritt. Als Gwendoline sich am frühen Morgen ins Haus schleichen wollte, fand sie die Tür verschlossen und ihre Sachen davor liegend auf. Anstatt den Fehler bei sich zu suchen, verfluchte sie die Alte und verschwand aus der Stadt.

Bald schon war sie berühmt für ihre Schönheit und berüchtigt für die Dreistigkeit ihrer Diebstähle. Sie wanderte von Dorf zu Dorf und schlief, wo immer ihr ein Bett angeboten wurde. Doch wenn der Gönner am Morgen nach seiner Geliebten greifen wollte, war diese mitsamt seinen Schätzen verschwunden. Zurück blieb nur Leere, Enttäuschung und ein Band von blutrotem Samt. Bald schon war Gwendoline vogelfrei gesprochen worden, das heisst, wer immer sie töten wollte, hätte das tun dürfen, ohne sich vor einer Strafe fürchten zu müssen. Doch keinem gelang dieser Schritt und Gwendoline fühlte sich wohl in dieser Position. Sie konnte reisen, lieben und leben, ohne dass ihr irgendwer hätte Vorschriften machen können.

Und so gelangte Gwendoline schliesslich nach Rostock. Die kleine Hansestadt gefiel ihr und so beschloss sie, eine Weile zu bleiben. Doch diese Entscheidung wurde ihr zum Verhängnis. Als sie eines Abends am Hafen in einer düsteren Spelunke sass, trat ein Fremdling ein. Man erkannte ihn sofort an seinem Gang. Der lange Mantel und die schweren Stiefel, die geheimnisvolle Dunkelheit und der tief ins Gesicht gezogene Hut faszinierten Gwendoline vom ersten Moment an. Sie setzte sich an seinen Tisch und erwartete die immer gleiche Reaktion. Doch dieses eine Mal wartete sie vergebens. Der Fremde hob den Blick und seine eisblauen Augen bohrten sich in die ihren. Sie erstarrte. Wie ein Fisch im Netz versuchte Gwendoline vergebens, sich aus seinem Blick zu befreien. Doch er fesselte sie, liess ihren Atem und ihr Herz rasen und machte sie unendlich hilflos. Das erste Mal in ihrem Leben konnte Gwendoline verstehen, was die von ihr verzauberten Männer hatten fühlen müssen. Es war, als würde sie tausend Tode sterben und gleichzeitig die Unsterblichkeit in ihren Händen halten. Und sie war nicht mehr allein, denn dem Fremden, der auf den Namen Wolf getauft war, ging es genauso. Die beiden sprachen und lachten und lebten. Ihre Liebe wuchs von Tag zu Tag. Und so hätte die Geschichte ein glückliches Ende nehmen können.

Doch das tun Geschichten, zumindest die wahren, nie. Als die Zeit reif war, passierte das Unfassbare. Das alte Kräuterweib hatte Gewndolines Fluch nie vergeben und so rächte sie sich nun auf ihre eigene Art. In einer dunklen Nacht schlich sie sich in die Hütte des Paares und stiess einen Dolch ins Herz des geliebten Wolfs. Sie nahm Gwendoline das Einzige, was ihr etwas bedeutete. Sie nahm ihr mit diesem Mann Liebe, Lust und Leben.

Gwendoline war fertig, sie wollte nicht mehr leben, nicht mehr sein. Sie beerdigte ihren Mann auf dem Rostocker Friedhof. Noch heute steht dort ein schwarzer Grabstein, auf dem nur das eine Wort eingraviert ist, das an die Gräueltat erinnern soll. „NEIN“.

Gwendoline hielt nichts mehr in Rostock. Sie wollte nicht dauernd an diese traurige Wahrheit erinnert werden und so reiste sie in ihre Heimat zurück, doch auch dort wollte ihre Seele keine Ruhe finden.

So entschloss sich Gwendoline dem Ganzen ein Ende zu setzen. Im Morgengrauen sah man sie am Ufer des Sees stehen, das Wasser hatte ihr schon immer Ruhe und Frieden gespendet. Dieses Mal sollte das letzte Mal sein. Sie wollte einfach nur sterben, nichts mehr fühlen, frei sein von der Qual. Doch die Götter verwehrten ihr diesen letzten Wunsch und den Einlass ins Totenreich.

Seither sitzt Gwendoline auf der Euregia und schenkt den Menschen das Glück und die Liebe, die ihr selbst immer verwehrt blieben. Sie bringt die Menschen zum Nachdenken und manchmal auch zum Lächeln. Ihre Geschichten erzählen von Menschen, denen sie begegnet ist oder die sie durch ihr Schaffen beeindruckt haben. Sie erzählt von den Menschen, die vor ihr stehen, erzählt ihnen von ihren früheren Leben. Sie erzählt aus der Zukunft und aus längst vergessenen Zeiten. Doch in jeder Geschichte spürt man die Sehnsucht, die sie noch immer am Leben hält.

Wenn immer eine Geschichte endet, so lässt sie nichts als ein Band von blutrotem Samt zurück.

Wenn die Zeit zu verzeihen gekommen ist, wird Gwendoline von der Euregia verschwinden. Ohne sich umzusehen wird sie ihren Weg weitergehen. Verzeihen wird sie können, vergessen jedoch nie.
Und bleiben wird nichts als ein Band von blutrotem Samt.







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